| von Mathis

Nicht weit von Rheinhessen entfernt,
erstreckt sich mit den Vogesen eine andere Welt.

Seit knapp 7 Jahren bin ich jährlich vier bis fünf Mal in den Vogesen unterwegs und genieße die Weite und Schönheit der bewaldeten Hügel der Departements des Elsass und Lothringens.

Allgemeines zum Fahren in den Vogesen

Lange Anstiege zum Höhenmeter sammeln, tolle Aussichten, Burgen ohne Ende (okay, die haben wir zugegebenermaßen am Rhein auch) und jede Menge Straßen ohne viel Autoverkehr zeichnet dieses wirklich hervorragende Rennradgebiet aus. Daneben begeistert die Region neben den schönen Strecken mit allem, was das Herz begehrt: Tolle Weine, gutes Essen und leckere süße Spezialitäten warten in vielen Orten auf uns. Allerdings ist die Versorgungsstruktur nicht so eng, wie in Deutschland. Supermärkte gibt es mittlerweile fast ausschließlich in den größeren Orten. Das sollte man bei seinen Planungen mit einbeziehen. Andererseits sind die Elsässer und Lothringer wirklich ausgesprochen freundlich. Ich habe häufig meine Flasche bei Leuten auffüllen können, die ich vor ihrem Haus einfach angesprochen habe. Als Tipp: Obwohl wirklich viele in diesem Gebiet deutsch reden, sollte man es immer zuerst auf französisch probieren. Das wertschätzen die Menschen dort sehr und wechseln freiwillig aufs Deutsche/Englische, wenn sie merken, dass man nicht so gut französisch spricht.

Die Anreise

Die Anreise in die Vogesen gestaltet sich einfach. Nach vielen Versuchen hat sich der Weg über die A61 und A65 zur französischen Grenze bei Kandel bewährt. Dort weiter auf der französischen Seite ist man schnell in Straßburg am Fuße der Vogesen. Man kann auch über die A5 auf deutscher Seite fahren, davon ist allerdings aufgrund des Staupotentials der Strecke dringend abzuraten.

Kurz vor Straßburg führt einen die neue, wenn auch mautpflichtige, Autobahn (Fertigstellung September 2021) komfortabel um die sonst zu Stoßzeiten sehr volle Metropole herum, falls man nicht doch noch ein wenig Sightseeing in der wunderschönen Stadt einschieben will. Zu den Startpunkten der Touren geht es dann südlich auf der A35 entlang der Weinstraße Richtung Colmar. Nach Straßburg sind es von Mainz ca. 2 Stunden, bis nach Colmar ca. 3 Stunden.

5 Touren zur Wahl

Es gibt wirklich sehr viele schöne Strecken in den Vogesen, wovon ich dir 5 Touren vorstellen möchte, die ich wirklich empfehlen kann. Ich baue Teile dieser Strecken immer wieder in meine Reisen ein.

Für die ersten drei Touren kann man in der schönen Stadt Ribeauvillé seine Unterkunft wählen. Die beiden Startorte von Tour 1 und 3 sind von hier aus gut und schnell mit dem Auto zu erreichen. Für Tour 4 und 5 ist der Skiort La Bresse mitten in den Vogesen als Unterkunftsort von Vorteil. Von hier aus kann man die andere Seite der Vogesen für sich entdecken.

Tour 1
St.-Mont-Odile - Champ du feu - Andlau
90 Km - 1700 Hm / 30 Min von Ribeauvillé

Anmerkung: Es lohnt sich, früh zu starten. Das Kloster Mont-St-Odile ist am Wochenende und bei gutem Wetter viel besucht.

Die Tour startet in Nothalten. Hier lässt es sich bequem parken und man hat noch ein paar Kilometer zum Einrollen, bevor es in die Berge geht. Über Radwege geht es in Richtung Norden schön durch die Weinberge. Erste Sehenswürdigkeit ist das Kloster Andlau. Weiter geht es entlang der Weinberge. Ab Rosheim geht es auf einen sogenannten Voie Verte. In Frankreich wurden viele ehemaligen Bahntrassen zu Radwegen umfunktioniert. Der Asphalt dort ist fast immer sehr gut und man kommt schnell und mit keinem Autoverkehr voran. Wenn Straßen kreuzen ist aber Vorsicht geboten. In Saint Nabor endet der Radweg. Rechts über einem sieht man schon die steilen Hänge der Vogesen. Dort geht es auf der D109 hinauf zum schönen Kloster St-Mont-Odile. Da die Straße um das Kloster eine Einbahnstraße ist, umrunden wir einmal den Berg. Oben kann man den Ausblick wirklich genießen: Die Rheinebene liegt vor einem, der Schwarzwald zeichnet sich auf der anderen Seite ab. Weiter geht es dann in Richtung Champ-du-feu über die D426 und D214. Beide Straßen sind normalerweise sehr wenig befahren. Am Champ-du-feu haben wir den höchsten Punkt der Tour mit 1099m erreicht.Über Breitenbach geht es auf der D425 nach Villé und von dort mit einem letzten kleinen Gegenanstieg wieder an die Weinstraße zurück zum Ausgangspunkt.

Tour 2
Ribeauvillé - Trois-Epis - Bonhomme - Haut-Koenigsbourg
104 Km - 2200 Hm

Los geht es in der wunderschönen Stadt Ribeauvillé . Die ersten Kilometer gondeln wir über nahezu verkehrsfreie Nebensträßchen südlich entlang der Weinstraße. Über die Weinorte Riquewihr, Kientzheim (schöne Festungsanlage) und Ammerschwihr geht es dann hoch in die Vogesen. Langsam aber stetig windet sich dich wenig befahrene D11.1 hoch in den Kurort Trois-Epis. Von dort geht es um die Gipfel quer durch dichtes Waldgebiet vorbei am Memorial du Linge (Gedenkfriedhof) weiter in Richtung Lac Blanc. Auf diesem Streckenabschnitt ist man nur mit sich und der Natur unterwegs, man trifft auf nahezu keine Häuser. Am Lac Blanc kann man die Beine ein wenig baumeln lassen. Kurz dahinter trifft man auf eine Ski/Mountainbikestation inklusive Lift. Weiter geht es über die Route de Cretes weiter zum Col de Bonhomme. Auf der Nebenstrecke geht es rasant ins Tal nach St.Marie-aux-Mines, einer alten Bergbausiedlung, die mittlerweile für Modeshows in ganz Frankreich bekannt ist (was man ihr äußerlich nicht unbedingt ansieht). Hinter St-Marie-aux-Mines wechseln wir auf einen Voie Vertes (siehe Tour 1), der uns schnell und verkehrsfrei das Val D´Argent hinunter führt. In Liepvre wartet die letzte Herausforderung auf uns. Es geht hinauf zur Haut-Koenigsbourg. Sie ist eine der Wahrzeichen der Vogesen. Eine geführte Tour lohnt sich sehr, auch wenn schon der Ausblick für den harten Aufstieg hinauf entlohnt. Bergab wählen wir die weniger befahrene Straße über Thannenkirch und biegen in Bergheim wieder nach Ribeauvillé ab. Dort haben wir uns die Weinschorle redlich verdient!

Tour 3
Hinauf auf die Passstraße Route de Cretes
108 km - 2600 Hm / 25 Minuten von Ribeauvillé

Die dritte Tour starten wir im schönen Wintzenheim nahe Colmar. Von dort geht es Richtung Süden zum Einrollen entlang der Weinstraße. Schon in Eguisheim lohnt sich ein Blick in die Altstadt. Hier befindet sich eine alte Festungsanlage inklusive kleinem Schlösschen. Der Franzose würde sagen: Très pittoresque. Wir rollen weiter bis Gueberschwihr. Dort beginnt die doch recht knackige Steigung hoch auf den Vogesenkamm. Wir vermeiden die großen Hauptstraßen und nutzen die fast nahezu unbefahrene Straße direkt am Petit Ballon vorbei durch herrliches Waldgebiet. Ein wirklich idyllisches Highlight der Tour(en). In Sondernach treffen wir wieder auf die Landesstraße, die uns auf die Passstraße Route de Cretes bringt. Bis hierin haben wir bereits 2200 Hm gemacht. Die Route des Cretes führt uns dann in stetigem leichten Auf und Ab nach Norden. Hier ist nun deutlich mehr Verkehr (im Sommer vor allem Motorräder), aber der Blick hinunter in die Täler entschuldigt das. Irgendwann tauchen auf der rechten Seite die Serpentinen des Hohnecks auf. Wer noch nicht genug Höhenmeter gesammelt hat, nimmt die wenigen Kehren (am Ende ca. 15%) und genießt den Ausblick des zweithöchsten Bergs der Vogesen (1363m). Von hier aus kann man bei gutem Wetter in der Ferne sogar die Alpen sehen. Nicht ganz so schön wird die Abfahrt aus LaSchlucht (Hier kann man Sommerrodelbahn fahren!). Dort herrscht doch immer viel Verkehr. Zum Glück sind wir auch schnell unten. Ab Munster geht es zum Glück auf gut asphaltiertem Radweg ins Tal hinunter, zurück zum Ausgangsort.

Tour 4
LaBresse - Voie Verte - Remiremont - Moselquelle
93 Km - 1300 Hm

Wir starten unsere Tour im Wintersportort LaBresse. Von dort aus geht es über Nebenstraßen in Richtung Süden. Kurz hinter Cornimont beginnt der längste Voie Verte Frankreichs. Dieser Bahnradweg führt durch wunderschöne Täler und Felsformationen an der Moselotte leicht bergab. Es ist eine wahre Freude hier unterwegs zu sein. Hinzu kommt, dass man über viele Kilometer keinen Autoverkehr hat (an einigen Stellen überquert der Weg aber die Landesstraße, hier muss man aufpassen). Kurz vor Remiremont teilt sich der Weg. Wer auf den See in Remiremont verzichten möchte, biegt einfach links ab. Geradeaus geht es in den Ort hinein. Weiter geht es auf dem Voie Verte, nun an der noch jungen und kleinen Mosel entlang Richtung Quelle. Ab hier steigt der Weg immer leicht an. Le Thillot ist ein Ort, der immer wieder von der Tour de France befahren wird. Von hier kann man nach rechts hinauf nach Plancher-de-Belles-Filles fahren, einem der schwersten Anstiege der Tour in den Vogesen (30km und 1100 HM zusätzlich). Im GPS-Track geht es aber weiter geradeaus den Radweg entlang.In Bussang angekommen, fahren wir durch den Ort noch eine kleine Steigung hinauf und stehen dann an der Moselquelle. Aus einem kleinen Loch fließt sie dort unspektakulär hinaus, bevor sie immer größer wird und in Koblenz schließlich in den Rhein fließt. Den Rückweg gestalten wir anspruchsvoller als die 440Hm, die wir bis hierin gemacht haben. Es geht in Bussang direkt hinauf zum Col du Page. Wunderschön geht es fast alleine auf immer enger werdenden Straßen durch den Wald. An der Passstraße angekommen halten wir uns links, um dann sofort wieder die nächste Nebenstraße zum Grand Ventron zu nehmen. Verkehrsfrei geht es so durch die Wälder über die Hügel zurück nach LaBresse.

Tour 5
LaBresse - Geradmer - Anould - Bonbonfabrik - Longemer
108 Km 2000 Hm

In LaBresse startend, geht es sofort in die Steigung. Auf nahezu unbefahrener Straße geht es am Berghang entlang nach Vagney. Von dort arbeiten wir uns über die D23 und D23g nach Geradmer. Dort können wir die Füße in den Lac du Geradmer stecken und die umliegende Landschaft genießen. Weiter geht es um den See und über eine Routes Forrestiere nach Liezey. Routes Forrestieres sind meist gut geteerte Straßen, die mitten durch den Wald führen und entweder für Autos gesperrt sind oder nahezu verkehrsfrei sind. Also perfekt für uns Rennradler. Nach Liezey geht es weiter nach Norden. Am höchsten Punkt angekommen biegen wir rechts nach Granges-sur-Vologne ab. Wie Geradmer ist auch dieser unscheinbare Ort für die Leinenproduktion in ganz Frankreich bekannt. Es geht weiter über den nächsten Gipfel nach Corcieux. Hinter Corcieux führt uns die Strecke hoch zu einer Kartbahn und sehr rasant hinunter nach Anould (Achtung: Uneinsehbare Straßen). Dort biegen wir wieder auf einen Voie Vertes ab, der uns bis nach Plaingfaing führt. In Plaingfaing halten wir uns rechts, um die langsam ansteigende Straße zurück in Richtung Geradmer in Angriff zu nehmen. Nach einigen Kilometern liegt rechts eine in ganz Frankreich bekannte Bonbon-Fabrik. Hier kann man sich mit Süßigkeiten eindecken oder eine Führung mitmachen (nur auf französisch). Über das wunderschöne Tal mit wenig Autoverkehr geht es zurück nach Xonrupt de Longemer. Im See Lac du Longemer ist noch einmal die letzte Gelegenheit die Füße und den Körper abzukühlen, bevor der letzte Anstieg auf uns wartet: Es geht den Col de Feines hoch. Von dort aus aus wählen wir die Nebenstrecke zurück nach La Bresse.


Links:

  • Ribeauville - inklusive Unterkunftssuche:
    https://www.ribeauville-riquewihr.com/de/
  • St. Mont Odile - Inklusive Buchungs- und Tourenguide:
    https://www.visit.alsace/de/258000592-der-st-odilienberg/
  • Voie Verte in Frankreich:
    https://de.francevelotourisme.com/node/507
  • Infos zum Champ du Feu:
    https://www.visit.alsace/de/215000462-le-champ-du-feu/
  • Infos zur Route des Cretes:
    https://www.reisetipps-elsass.com/sehenswertes-elsass/routen-und-touren/route-des-cretes/
  • Haut-Koenigsbourg - inklusive Buchung Tourenguide:
    https://www.haut-koenigsbourg.fr/de/
  • La Schlucht (Sommerrodelbahn):
    https://www.visit.alsace/de/231002489-sommerrodelbahn/
  • La Bresse - inklusive Unterkunftssuche:
    https://de.labresse.net/sommer
  • Bonbonfabrik (confiserie des hautes Vosges):
    https://www.cdhv.fr/